SZ-Interview 25. April 2014

Sächsische Zeitung am 25. April 2014

„Ich habe mich nicht hängenlassen“

Interview: Tino Meyer

Robert Koch spricht zum ersten Mal über seine schwerste Zeit bei Dynamo – und wie ein Tag im März alles verändert hat.

  Robert, Sie sind nun schon ein paar Jahre bei Dynamo und 2011 in die zweite Liga aufgestiegen. Seitdem spielt die Mannschaft immer gegen den Abstieg. Wiederholt sich Geschichte oder ist diese Situation jedes Mal neu?

Wir sind im Sommer sicherlich mit anderen Zielsetzungen und Erwartungen in die Saison gegangen. Das erste Zweitliga-Jahr war ja sehr gut, wir sind am Ende nicht umsonst Neunter geworden. Die beiden anderen sind ziemlich gleich. Von Anfang stecken wir unten drin, sind nie richtig rausgekommen und müssen immer wieder Rückschläge hinnehmen. Als Verein kann man von Glück sprechen, dass es diese Relegation gibt.

  Wann haben Sie gemerkt, dass es auch diese Saison wieder ausschließlich um den Klassenerhalt gehen kann?

Nach dem Trainerwechsel waren die verbleibenden Spiele in der Hinrunde schon ganz gut. Da hat sich auch im Umfeld ein gewisser Optimismus breitgemacht, dazu kam das gute Winter-Trainingslager in der Türkei. Das hat den schlechten Saisonstart nicht komplett weggewischt. Aber wir haben geglaubt, jetzt kommen wir da unten raus. Leider mussten wir feststellen, dass es doch länger bis zum ersten Sieg in der Rückrunde dauert. Die vielen Unentschieden haben nur noch genervt. Damit ist der Abstand zu den anderen Mannschaften immer größer geworden, sodass wir sagen müssen: Wir können den Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft schaffen.

  Der Trainer fordert aus den verbleibenden drei Spielen sieben Punkte. Wie lautet denn Ihre Rechnung?

Diese Liga ist so unberechenbar. Wir müssen so viele Punkte holen wie möglich, am besten natürlich neun. Viele reden ja noch davon, dass wir in der Tabelle nach oben schauen können und die Saison ohne Relegation beenden. Andererseits müssen wir auch nach unten blicken. So groß ist der Abstand zu Bielefeld nicht. Wichtig ist, am Sonntag gegen Karlsruhe zu gewinnen.

  So einfach wird das selbst gegen einen Aufsteiger wie den KSC, für den die Saison gelaufen ist, aber nicht – oder?

Natürlich ist uns die Heimstärke ein bisschen abhanden gekommen. Nur ein Sieg in der Rückrunde ist echt zu wenig. Dabei war das immer Dynamos Plus: zu Hause die nötigen Punkte holen. Doch diesmal sind es oft nur Unentschieden gewesen. Und dieser eine Punkt bringt dich eben nicht weiter. Trotzdem sind es noch drei Spiele. Und wir haben das Glück, zwei davon zu Hause bestreiten zu können. Druck hin oder her: Wir müssen die drei Punkte hierbehalten.

  Sie haben vom Blick auf die Tabelle gesprochen. Schauen Sie auch auf die der 3. Liga und damit auf den möglichen Relegationsgegner?

Deshalb nicht, sondern weil Freunde von mir in der Liga spielen. Im Moment sieht es ja danach aus, dass Darmstadt in der Relegation spielen wird – gegen wen auch immer. Am Ende ist es auch wurscht. Denn mit solchen Gedanken beschäftigen wir uns überhaupt nicht. Das wäre auch fatal.

  So schwierig die Lage für Mannschaft und Verein auch sein mag, ist es für Sie persönlich zumindest tröstlich, wieder zur Stammelf zu gehören?

Spielen will jeder Fußballer. Natürlich bin ich froh, in den vergangenen drei Partien wieder von Anfang auflaufen zu dürfen, auch mal auf einer anderen. Ich glaube, dass ich die Sache ganz gut gemacht habe und hoffe, der Mannschaft auch in den nächsten Wochen helfen zu können.

  .Wie oft denken Sie noch an den Saisonbeginn, als Sie der damalige Trainer Peter Pacult praktisch aussortiert hatte?

Nicht mehr so oft, muss ich ehrlich sagen.

  Es heißt, aus Niederlagen könne man am meisten lernen. Was haben Sie aus dieser Phase mitgenommen?

Ich habe meine persönlichen Schlüsse gezogen und gehe jetzt auch außerhalb des Fußballplatzes mit gewissen Entscheidungen anders um. Im Großen und Ganzen ist dieses Kapitel aber für mich ein trauriges und bitteres, über das ich nicht mehr so gerne reden möchte.

  Auch in der Rückrunde schienen Sie bereits abgeschrieben zu sein, kamen vier Partien in Folge überhaupt nicht zum Einsatz. Wie schwer ist es, mit dieser Situation umzugehen?

Das muss man akzeptieren. Ich denke, da bin ich inzwischen auch ein bisschen älter und erfahrener – und kann etwas ruhiger an die Sache rangehen. Trotzdem habe ich mich nicht hängenlassen. Das entspricht nicht meinem Charakter. Gerade, wenn du nicht spielst, musst du mehr investieren als andere. Und wenn die Chance dann da ist, musst du sie nutzen.

  Wie gegen 1860 München. Als Sie den verunglückten Schuss von Torwart Kiraly direkt zum 3:1 verwandelt haben, müssen sich doch bei Ihnen innerlich kleine Dramen abgespielt haben.

Viele denken ja, ich habe den Ball ins leere Tor geschossen. Was ein Laie aber vielleicht nicht sah, wieviel Eigendynamik und Effet der Ball entwickelt hat. Deshalb war ich schon stolz, wie gut ich den getroffen habe und dachte: Schön, dass es wieder mal mit einem Tor geklappt hat.

  Danach haben Sie in Babypose gejubelt. Seit gut sechs Wochen sind Sie Vater eines Sohnes. Wie sehr haben sich seitdem die Wertigkeiten verschoben?

Seit der Geburt habe ich ein neues Gefühl, das all das Drumherum ein bisschen ausblendet. Der kleine Mann ist jetzt der Lebensmittelpunkt für uns, um ihn dreht sich alles. Es ist einfach schön, dem Kleinen zuzusehen, wie er Tag für Tag wächst und mehr begreift. Trotzdem brauche ich gerade nach den Spielen immer noch etwas Zeit für mich, um alles zu verarbeiten und die Anspannung abzubauen. Da kann mir der kleine Mann noch nicht so sehr helfen.

  Hat die Schwangerschaft Ihrer Freundin Doreen auch geholfen, die sportlich schwere Zeit besser durchzustehen?

Na klar. Die Geburt ist schon ein Tag, auf den ich hingefiebert habe. Auch jetzt merke ich, wie ich mich nach dem Training noch mehr als zuvor auf Zuhause freue.

  Sie haben das Thema bislang sehr diskret behandelt und auch den Namen Ihres Sohnes nicht verraten. Warum?

Ich bin so erzogen worden, dass ich sage: Das ist nichts für die große Öffentlichkeit. Ich muss auch nicht mit den Namen Robert Koch und Dynamo Dresden spielen und zu den Zeitungen gehen oder zum Fernsehen. Das muss aber jeder selbst wissen. Meine Freundin und ich haben uns entschieden, zurückhaltend damit umzugehen und auch den Namen nicht zu verraten. Das wird sich früher oder später sowieso ändern. Aber vielleicht dankt er mir�s auch irgendwann mal.